Von Weidenruten und Lehmerde
Wie die 3. Klasse ein Stück Welt baut
Um das neunte Lebensjahr herum – in der Waldorfpädagogik als „Rubikon“ bekannt – suchen Kinder nach Halt und einem festen Platz in der Welt. Die Hausbau-Epoche der
3. Klasse gibt diesem Bedürfnis nach Beheimatung eine greifbare Form.
Beim Flechten unseres Weidenhäuschens erlebten die Kinder hautnah, was es heißt, einen schützenden Innenraum zu schaffen. Aus biegsamen Ruten entstand Schritt für Schritt ein geborgener Rückzugsort mitten auf dem Schulgelände.
Anschließend ging es tief hinein in das Element Erde: Für eine gemauerte Gartenbank besuchten wir eine Tongrube. Mit bloßen Füßen stampften die Kinder den kühlen Ton und strichen eigene Ziegel. Da wir diese mangels Brennofen nicht wetterfest brennen konnten, dienten sie als wertvolle Anschauungsobjekte – gemauert wurde die Bank schließlich mit gekauften Steinen.


Mit Mörtel, Kelle und viel Ausdauer fügte sich Stein an Stein. Ob beim Biegen der Ruten oder beim Schichten der Steine: Die Drittklässler haben erfahren, wie man mit eigenen Händen die Welt gestaltet und Wurzeln schlägt. (M.S.)
