Ausflug zum Markt in Ostrach
Die 3./4. Klasse machte an einem Freitag Morgen einen Einkaufsausflug zum Ostracher Wochenmarkt. Zuvor hatte ihre Lehrerin den Umgang mit Geld im Klassenzimmer geübt, sowohl mit kleinen wie auch mit größeren schriftlichen Rechnungen aller Art. Nun war die Gelegenheit gekommen, diese Fähigkeiten in der Praxis anzuwenden. Der Ausblick, auf den Markt zu gehen, hatte schon im Vorfeld für eine gesteigerte Motivation beim Rechnen geführt.
Mit Hilfe von Elternfahrdiensten kam die Klasse um 10.15 Uhr in Ostrach an. Es war ein regnerischer, kühler Januartag, die gute Laune aber war ungetrübt. Malerisch lag der kleine Markt mit seinen bunten Markisen hinter dem Rathaus. Die Schulkinder fanden sich in kleinen Freundesgrüppchen zusammen und bekamen die Aufgabe, sich selbstständig und nach eigenem Gusto für ihre mitgebrachten 5 Euro etwas zu kaufen.
Für manche war es einfach, für andere aber ein Mutschritt, alleine die VerkäuferInnen und Standbetreiber anzusprechen und nach Preisen und Waren zu fragen. Was ist erschwinglich? Will ich zwei oder drei Artikel? Teile ich mit den FreundInnen ? Stimmt das Restgeld? Wie in der Gesellschaft von uns Erwachsenen zeichneten sich bald verschiedene Temperamente und Genießertypen ab. Es gab die Wurstesser (große triefende Bratwurst im Brötchen für 3,00 Euro um 10.20 Uhr), die Süßen (Bienenstich so riesig, dass wir Lehrerinnen mehrere Aufessangebote bekamen) und die Käsefreunde, die sich am Stand beraten ließen. Viele Kinder machten zwei bis drei Runden und diskutierten, ob noch eine Karotte oder ein kleines Stück Käse im Budget drin wäre.
Alle erlebten sehr viel Freundlichkeit und Großzügigkeit an den Ständen. Erst wurde an der Waage hinter der Auslage geschaut, für wieviel das Geld noch reichte oder wieviel eine Karotte kostete, und dann wurde nach der Abrechnung oft noch ein weiteres schönes Stück gratis dazugegeben. Hier auf dem Markt lebt noch Freiheit und Selbstbestimmung. Das Erlebnis dieser zwei verschiedenen Handlungen, korrekte Preisermittlung und anschließend eine freiwillige schenkende Geste, war sehr eindrücklich für die Kinder. Das ist Bildung, die über die Möglichkeit des Rechenbuches hinausgeht. Den Marktstandbetreibern und Betreiberinnen einen herzlichen Dank! Und für die Eltern die Empfehlung, den Markt einmal zu besuchen, der auch Bisonfleisch, algerische Leckereien und Pflanzen und Setzlinge anbietet.
Sehr gut gesättigt durften dann alle Kinder ihrem Bewegungs- und Spieldrang freien Lauf lassen auf dem schönen Spielplatz gleich neben dem Markt. Zu gegebener Zeit ging es per Bus zurück nach Burgweiler. Aber zur Bushaltestelle, gelegen beim Ostrachen Schulzentrum, musste man erst ein Stück laufen. Sehr zufrieden, ruhig und geordnet liefen die Schüler und Schülerinnen durch Ostrachs Straßen. Für fast alle Kinder war es die erste Schulbusfahrt. Dabei begegnete die Klasse Ostracher SchülerInnen allen Alters, die mit Neugier und Erstaunen die unbekannten Kinder anschauten und dann zufrieden waren, dass niemand ihnen ihre Stammplätze strittig machte.
Die Lehrerinnen erwägen für eine wärmere, freundlichere Jahreszeit einen weiteren Ausflug, bei dem man die Strecke bis Ostrach laufen würde und Landschaft und Teilorte besser wahrnehmen könnte.
(M. Etterich)
